Carlheinz Rebstock

Carl-Heinz Rebstock, – er selbst schrieb immer Carlheinz – (geb. am 16. Januar 1917, gest. am 29. Juni 1986), nahm am Hamburger Widerstand aktiv teil. Er war als Schüler der reformorientierten Lichtwark-Schule in Hamburg-Winterhude früh mit sozialistischer und kommunistischer Politik in Berührung gekommen und wurde Mitglied des KJVD (Kommunistischer Jugendverband Deutschlands). Am 30. Januar 1933 übertrug Reichspräsident von Hindenburg die Reichskanzlerschaft an Hitler. Deshalb entschloss sich Carlheinz Rebstock, nach der Mittleren Reife die Schule zu verlassen und am Widerstand teilzunehmen. Er gehörte in den Jahren 1933 bis 1936 bis zu seiner zweiten Verhaftung im Mai 1936 dem proletarischen und kommunistischen Widerstand, der ein Bestandteil des demokratischen deutschen Widerstands war, an. Nach der Beendigung der Schule absolvierte Carlheinz Rebstock eine Tischlerlehre und legte die Gesellenprüfung ab.

Er war zunächst in einer illegalen Gruppe des KJVD aktiv, baute 1933 mit Freundinnen und Freunden aus Hamburg-Barmbek eine jugendliche Widerstandsgruppe auf, die aus parteilosen, jüdischen und kommunistischen Mitgliedern bestand. Viele wurden 1934 aufgrund Verrats verhaftet und wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu Haftstrafen verurteilt. 

Am 23. März 1933 wurde das von der NSDAP eingebrachte „Ermächtigungsgesetz“ angenommen, wodurch die Verfassung der Weimarer Republik außer Kraft gesetzt wurde. Nach der Reichstagswahl und dem sofortigen Verbot aller kommunistischen Organisationen traf sich die Winterhuder Gruppe des KJVD weiterhin illegal, z. B. im Stadtpark, und Carlheinz Rebstock beteiligte sich u. a. an der Herstellung von Plakaten und Flugblättern. Im Mai 1934 verhaftete die Gestapo („Geheime Staatspolizei“) ihn und viele andere Mitglieder der Gruppe. 1). Er gehörte als Siebzehnjähriger zu den jüngsten in Hamburg Verhafteten. 6.) Auch Kurt van der Walde und andere wie die ebenfalls verhaftete Hertha (Herta) Winzer, seine spätere Ehefrau, waren noch nicht volljährig. Carlheinz Rebstock war vom 26.6.1934 bis zum 19.10.1934 in Untersuchungshaft. Das Urteil lautete auf „Vorbereitung zum Hochverrat“, er erhielt eine neunmonatige Gefängnisstrafe mit zweijähriger Bewährungsfrist, da er noch im jugendlichen Alter war.

Ende 1934, nach der Entlassung aus der Untersuchungshaft, baute er erneut eine politisch unabhängige Widerstandsgruppe, die sich aus Jugendlichen und jungen Erwachsenen der jüdischen Jugendorganisation „Deutsch-Jüdischer Wanderbund ´Kameraden´´“ (Werner Philipp, Kurt van der Walde, Marion Deutschland), dem Kommunistischen Jugendverband Deutschlands (KJVD) (Walter Beyer, Heinrich (Heiner) Beil, Carlheinz Rebstock, Werner Stender, Herta Winzer) zusammensetzte, auf. Diese Gruppe organisierte sich nach dem Schneeballsystem jeweils in Dreiergruppen, die untereinander wenig Kontakt haben sollten und selbst wieder weitere Dreiergruppen bilden sollten. Am 7. 5. 1936 im Mai wurde er erneut verhaftet. er wurde am 4. Mai 1937 zu fünf Jahren Gefängnis aufgrund „fortgesetzter Vorbereitung zum Hochverrat“ vom Strafsenat des Hanseatischen Oberlandesgerichts verurteilt. Die Untersuchungshaft wurde angerechnet.

Carlheinz Rebstock kam am 14. 8.1940 aus der Haft frei. Im Jahr 1941 heiratete er Herta Winzer, spätere Herta Rebstock. Carlheinz Rebstock arbeitete als Tischler. Ein Studium an der Bauschule wurde ihm mit Hinweis auf seine politischen Vorstrafen verweigert. 1943 fielen auch auf die Wohnungen der Eltern und Schwiegereltern Bomben. Das Paar musste Hamburg verlassen und zog zunächst nach Wellingsbüttel zu Hertas älterer Schwester.

Für beide Eheleute begann noch einmal am 31. 8. 1944 eine schwere Zeit, als Carlheinz zum „Bewährungsbatallion 999“ eingezogen und mit anderen „Straf-Soldaten“ in das Konzentrationslager (KZ) Neuengamme zur „Sammlung“ einberufen wurde. Er war dann bis zum 27. 9. 1944 in Baumholder stationiert, kam aber nicht mehr zum Fronteinsatz. Am 27.9.1944 wurde er als Schutzhäftling in das KZ Buchenwald überführt, am 7. 10. 1944 jedoch entlassen. Insgesamt war Carlheinz Rebstock 58 Monate in Haft.

Nach der Befreiung Europas von der Nazi-Herrschaft 1945 wurde Carlheinz Rebstock bald wieder politisch aktiv, er wollte am Aufbau eines antifaschistischen, demokratischen Nachkriegs-Deutschlands mitwirken,  wurde Mitglied der KPD und war in Hamburg, zeitweilig in Düsseldorf in verschiedenen hauptamtlichen Funktionen aktiv, zuletzt in leitender Funktion in der Redaktion der kommunistischen Tageszeitung „Hamburger Volkszeitung“ bis zum erneuten Verbot der KPD am 17. August 1956.

Quellen

1. Staatsarchiv der Hansestadt Hamburg; Wiedergutmachungsakte 1601 17 / 41904

2. Ruth Stender: „Gertigstraße 56“, ISBN: 978 1784623 760)

4. Forschungsstelle für die Geschichte des Nationalsozialismus in Hamburg, Transkript der Interviews mit Herta Rebstock, geführt von Alfons Kenkmann (1994 -1997), 1997.

5. Herbert Diercks „Die Freiheit lebt!“ Widerstand und Verfolgung in Hamburg 1933-1945 Texte, Fotos, Dokumente, hrsg. von KZ Gedenkstätte Neuengamme, 2010.

6. Quelle: Beschreibung zur Person in der Gedenkstätte „Torhaus des KZ Fuhlsbüttel“

Verurteilte der Widerstandsgruppe im Jahr 1937:

Kaufmänn. Angestellter Heinrich Feodor Beil,  geb. am 1.6. 1915                  2 Jahre Gefängnis

Büroangestellte Marion Deutschland, geb. am 3.4.1914 Berlin                      2 Jahre Gefängnis

Schülerin des Fröbelseminars Mariechen Eckert, geb. am 31.3.1914             2 Jahre Gefängnis

Schriftsetzer Wilhelm Albert Petersen, geb. am 21.1.1912                   2 Jahre Gefängnis

Kaufmänn. Angestellter Werner Philip, geb. am 4.2. 1910                              3 Jahre Gefängnis

Tischlerlehrling Carl-Heinz Rebstock, geb. am 16.1.1917                              5 Jahre Gefängnis

Kaufmänn. Angestellter Kurt van der Walde, geb. am 20.1.1915 in Posen      2 Jahre, 6 Mon.  Gefängnis  

Kaufmänn. Angestellte Hertha Hedwig Winzer, geb. am 4.10. 1917               2 Jahre, 6 Mon.  Gefängnis