Antifaschistischer Konsens: Der Schwur von Buchenwald

Schwur von Buchenwald Kopie

Antifaschistischer Konsens 1945

75 Jahre Befreiung vom Faschismus! In diesem Jahr gibt es zahlreiche konkrete Anlässe zum Gedenken. Vor allem natürlich am 8. Mai, aber auch in zahlreichen anderen Veranstaltungen wurde und wird an die Verbrechen der Faschisten, an die Opfer und den Widerstand erinnert. Aber nur selten und oftmals nur kurz gerät in den Blickpunkt: Welche Schlussfolgerungen wurden gezogen, welche Forderungen daraus entwickelt, was ist aus ihnen geworden? Wurde der viel zitierte „Schwur von Buchenwald“ erfüllt?

Kaum bestritten wird, dass es 1945 einen antifaschistischen Konsens von den Arbeiterparteien bis zu den bürgerlichen Kräften gab:

Entmonopolisierung / Entmilitarisierung / Entnazifizierung / Rechtstaatlichkeit / Sozialstaatlichkeit / friedliches Zusammenleben der Völker.

Was ist aus dem antifaschistischen Konsens geworden?

– Nazis kamen nach kurzer Zeit Anfang der 50er Jahre wieder in Amt und Würde, manche sogar in die höchsten Regierungsstellen.

– Das KPD-Verbot 1956 und ein zeitweiliges VVN-Verbot brachte einige antifaschistische Widerstandskämpfer/innen erneut ins Gefängnis, sie wurden bis heute nicht rehabilitiert.

– Deutschland wurde wiederbewaffnet, die Bundeswehr beteiligt sich weltweit an Kriegseinsätzen; durch ihren Einsatz im Jugoslawienkrieg 1999 trat Deutschland wieder ein in den Kreis der kriegführenden Nationen.

– Die Macht der Monopole ist stärker denn je, hat die nationalen Grenzen längst gesprengt.

– die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer, immer mehr Menschen rutschen unter die Armutsgrenze.

Der Neofaschismus zeigt heute – unbehindert vom sogenannten „Verfassungsschutz“ – immer brutaler sein verbrecherisches Gesicht, während der ältesten und größten antifaschistischen Organisation, der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA), durch Entzug der Gemeinnützigkeit die finanziellen Grundlagen entzogen werden sollen.

Wir, die Kinder und Enkel des Widerstands, haben die Geschichte dieser Wandlung – teilweise sehr schmerzhaft – erlebt. Wir wollen diese Wandlungen und Restaurationen nach 1945 nicht in Vergessenheit geraten lassen.

Durch unsere Aktivitäten und die Mitwirkung in zahlreichen demokratischen Bündnissen, wollen wir dazu beitragen, dass der antifaschistische Konsens nach der Befreiung vom Nazi-Faschismus vor 75 Jahren Zeit doch noch zur Grundlage eines demokratischen, friedliebenden Deutschlands werden kann.

Unsere Eltern und Großeltern kämpften nicht nur gegen den Faschismus, sie hatten auch gesellschaftliche Ziele – und Träume – vor Augen. An diese Ziele und Träume muss immer wieder erinnert werden. Und sie müssen nicht nur diskutiert werden, es muss auch nach neuen Wegen zur schrittweisen Verwirklichung in einem antifaschistischen Konsens gesucht werden.

„Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“  So schrieben und schworen die befreiten Häftlinge in Buchenwald am 19. April 1945. Wir sind heute, fünfundsiebzig Jahre später, noch weit davon entfernt.

pb

Hamburg, 04.03.2020